Nacktzone Lobau

Unter Nackerten:
von Ljubiša Buzic, www.wienerin.at;  am 16.07.2018, 14.21 Uhr

Wir haben die FKK-Zone in der Lobau besucht
Unser Kollege Ljubiša geht einmal im Monat "auf Lepschi" und schaut sich an, wie vielfältig Wien lebt und feiert. Diesmal ging er unter die Nackerten in die FKK-Zone in der Lobau.

Die Faszination der Freikörperkultur hat sich mir bisher nicht erschlossen. Ja, klar, als Kind habe ich natürlich verstohlen versucht, in den FKK-Bereich im Schwimmbad zu linsen. Aber als Erwachsener beschränkt sich meine naturistische Erfahrung auf gerade mal zwei, drei nervöse Saunabesuche, von denen nur bei einem auch andere Menschen anwesend waren. Trotzdem haben ich und die Freundin beschlossen, dass wir jetzt mal so weltoffen sind und es probieren.
Die richtige Vorbereitung:
Doch bevor es so weit ist, müssen erst mal ein paar Vorbereitungen getroffen werden. Während die Freundin zur Einstimmung den ganzen Vormittag oben ohne herumläuft, bereite ich mich so vor, wie man das heute nun mal macht: Ich scrolle mich durch Online-Erfahrungsberichte. Ein überschwänglicher Text eines gewissen Onur macht mir dabei Lust auf mehr: "Ein großartiger Ort, um die gesellschaftlichen Fesseln loszuwerden", schreibt er. "Du liegst an der blauen Donau, während die kühle Sommerbrise und die warme Sonne deine unteren Regionen kitzeln. All dies geschieht in einer malerischen Landschaft, nicht weit entfernt vom Zentrum der lebenswertesten Stadt der Welt. Was können Sie mehr verlangen?", erklärt er mit charmanten Sprüngen zwischen Du-und Sie-Form. Eine Warnung gibt er uns noch auf den Weg mit: "Halten Sie sich aus dem Wald heraus, wenn Sie nicht durch öffentliche Aktionen überrascht werden wollen, wenn Sie wissen, was ich meine."
Als wir nach einer holprigen Anfahrt mit dem 92B an der Station Panozzalacke in der Lobau aussteigen (dort soll es laut Internet die meisten Nackerten geben), kichere ich wie ein Schulkind vor mich hin. Tatsächlich sehen wir schon von Weitem textilfreie Gestalten, die sich auf der Liegewiese tummeln. Wir suchen uns einen Platz mittendrin und breiten unsere Badetücher aus. Ich versuche, möglichst routiniert zu wirken, während ich mich meiner Boxershorts entledige.......soweit man das in sitzend zusammengekrümmter Position von sich behaupten kann. Und schon werden meine unteren Regionen von der kühlen Sommerbrise gekitzelt. Meine Freundin sieht mich ob meiner fast hysterischen "Ich hab's getan, ich hab's getan........ich bin nackt!" Ausrufe verständnislos an. Also beschließe ich, meine Euphorie ein wenig zu zügeln.



Zeit, sich mal den eigenen Körper bei strahlendem Tageslicht anzuschauen. Zumindest kann ich eine lückenlose Farbe vorweisen: Schneeweiß. Insgesamt gibt es hier allzu Menschliches in allen möglichen Formaten und Zuständen. Hauptsächliches Merkmal: ledrig braun. Es wird leger geschlendert, Dosenbier getrunken und in Gesprächen stets Augenkontakt gehalten. Auffallend ist auch der stur nach vorne gerichtete Blick der Radfahrer, die unser Gebiet passieren. Überraschenderweise tritt auch bei mir schnell der FKK-Effekt ein. Bald finde ich gar nichts Skandalöses mehr an meiner Blöße und halte eher die Angezogenen für Spießer. Ja, jetzt bin auch ich stolzer Naturist! Nur vom Wald halten wir uns für heute lieber trotzdem fern ;-)

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