Wie ist es eigentlich

Mit der Familie am FKK-Strand


Redaktion: Annik Hosmann - annabelle.ch

Sandra Müller (Name geändert) konnte ihren Klassenkameraden nach den Sommerferien jeweils nur Landschaftsbilder zeigen: Ihre Familie mags im Urlaub nackt.

Du kommst an und ziehst dich aus – und zwar ganz. Du begrüßt nackt deine Campingplatznachbarn, stellst nackt dein Zelt auf und richtest es nackt ein. Komisch sei dies alles nur die ersten paar Minuten, meinte mein Vater jeweils, wenn er von seinen ersten FKK-Ferien mit meiner Mutter und einem befreundeten Paar erzählte. Spätestens wenn das Zelt steht, sei die Nacktheit egal, falle gar nicht mehr auf. Und er hatte recht; an diesem anderen Ort trugen wir halt einfach keine Hose und kein T-Shirt, aber alle anderen taten es ja auch nicht. Vor allem als Kind störst du dich nicht an der Nacktheit, im Gegenteil. Denn wann oder wo sonst könntest du deinem älteren Bruder eine herzige Sonne mit Wasserfarben auf den Hintern malen, ohne dass deine Eltern mit dir schimpfen?

DIE SO GENANNTE NATÜRLICHE SCHAMHAFTIGKEIT DES MENSCHEN
Gedanken zu einem der am weitesten verbreiteten Vorurteile
von Roman Schrittwieser
Revidierte Fassung

VORWORT
Was ursprünglich bloß als leidenschaftliches Plädoyer für den Naturismus1 gedacht war (und dessen erster und zweiter Abschnitt in gekürzter Form bereits in fünf Teilen in der österreichischen Naturismuszeitschrift "Nahtlos Braun" erschienen sind2) entwickelte im Laufe der Zeit ein gewisses Eigenleben. Manchmal kam es mir so vor, als würde das intensive Nachdenken über das Thema Naturismus nacheinander verschiedene Schleusen in meinem Verstand öffnen und mit der Zeit wie Dominosteine einen nach dem anderen von jenen Vorurteilen und Denkschemata und jenen landläufigen unreflektierten Ansichten zu diesem Thema zu Fall bringen.
Waren es zunächst nur moralische und weltanschauliche Argumente, die sich mir gegen eine unnatürliche und unnötige Verhüllung unseres Körpers aufdrängten, so fand ich bald auch ganz handfeste Hinweise darauf, dass der Temperaturregelmechanismus unserer Körper zumindest während eines heißen Sommers nicht für Kleidung gedacht ist und bei unnötiger Verhüllung mitunter sogar gesundheitliche Schäden verursachen kann. Daher gelange ich im ersten Teil meiner Abhandlung zwangs-läufig zu dem logischen Schluss, dass die Scham oder Schamhaftigkeit, die von den allermeisten Leuten – aber ganz besonders natürlich von Moralisten aller Schattierungen – leider immer noch für eine "natürliche" Eigenschaft des Menschen gehalten wird, und daher einen wesentlichen und für völlig selbstverständlich erachteten Bestandteil der Moral auch nicht-religiöser Menschen darstellt, weder angeboren noch natürlich ist, sondern etwas Künstliches, Überflüssiges, Anerzogenes und manchmal sogar Gesundheitsschädliches und Aggressionsförderndes ist.

Hätte Jesus FKK gemacht
Thomas Holtbernd

Zunächst scheint es abstrus zu sein, die Frage zu stellen, ob Jesus sich auch unbekleidet unter die Menschen gemischt hat oder hätte. Historisch dieser Frage nachzugehen, wäre wohl auch unlauter und reine Spekulation. Das Interesse an einer Antwort dürfte dabei mehr von Ideologie getragen sein als von einem redlichen Bemühen um Aufklärung. Doch diese Frage im Sinne einer konstruktiven Provokation zu verstehen und den dadurch ausgelösten Fantasien, Ängsten und Verunsicherungen nachzugehen, kann die Einstellung zur Nacktheit, zum eigenen Körper und zur Sexualität zu mehr Klarheit führen. Vor allem dürfte bewusst werden, wie stark eine vermeintliche Ehrfurcht, anerzogene Vorstellungen von dem, was „heilig“ oder göttlich ist wie auch unsere Hemmungen, dem Heiligen konkret leiblich entgegenzutreten, auf unsere Denkweise wie auch unsere Gefühle eingewirkt haben und immer noch einwirken. Es ist dabei äußerst schwierig und wohl auch nicht zu lösen, eine „heilige Scheu“ von dem zu differenzieren, was an Vorstellungen und Überzeugungen durch unsere Erziehung und Sozialisation geformt wurde. Die enge Verbindung von Erotischem und Göttlichem lässt sich über alle erzieherischen oder kulturellen Prägungen hinweg jedoch nicht leugnen.

Paradiesisch urlauben

VON MONIQUE CANTRÉ
Reutlinger Generalanzeiger

An der Freikörperkultur scheiden sich die Geister. Für die einen ist öffentliches Nacktbaden ein absolutes »No Go«, für die anderen pure Natürlichkeit.
Vor allem das hüllenlose Leben den ganzen Tag über reizt die Gegner gerne zu Hohn und Spott über »Lichtkleider« und schamfrei gezeigtes Unaussprechliches,
während die Befürworter überhaupt nichts dabei finden, im Urlaub alles ohne Textilien zu machen. Indes muss schon etwas dran sein an dieser Lebensart,
wenn sich in Frankreich alljährlich 2,6 Millionen Menschen in FKK-Ferienanlagen tummeln.

Autostimulation statt Erotik
Thomas Holtbernd

Wer sich ein Piercing machen, ein Tattoo stechen lässt oder eine Intimrasur vornimmt, lenkt seine Aufmerksamkeit genau auf die Körperstelle, wo ein solcher „Eingriff“ vorgenommen wird. Das könnte unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet und als „Schönheit“, vielleicht auch provokative Antiästhetik oder Infragestellung ästhetischer Normen diskutiert werden. Auf der rein oberflächlichen Ebene scheint eine solche Erklärung von „Körpergestaltung“ oder Bodymodification überzeugend zu sein. Erklärend ist eine solche Beschreibung indes keineswegs. Dies zeigt sich oft schon darin, dass Menschen, mit denen man über ihre Tattoos, Piercings oder Intimrasur reden will, sich in den meisten Fällen lediglich auf die Ebene des Äußeren einlassen. Inwieweit diese „Eingriffe“ auch Hinweis oder Ausdruck einer inneren Befindlichkeit sind, würde, so drängt es sich zumindest oft auf, das konstruierte Selbstbild infrage stellen.

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