Wieder etwas mehr Pioniergeist

 
„Wieder etwas mehr Pioniergeist“
Seit 15 Jahren pflegt Michael Otto sein virtuelles FKK-Museum
Für Kontinuität und Gründlichkeit steht der Name Michael Otto. Denn Michael Otto betreibt seit nunmehr 15 Jahren die Webseite www.fkk-museum.de . Mit dieser Homepage begleitet er nicht nur die Aktivitäten der Naturistinnen und Naturisten in Deutschland, Europa und der Welt. Er gibt inhaltliche Impulse in eine lebendige und vielfältige FKK-Szene. Christoph Müller hat mit Michael Otto über sein Engagement gesprochen.
Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Du, lieber Michael, die Initiative für das virtuelle FKK-Museum ergriffen hast?
Es begann damit, dass ich vor über 20 Jahren einmal zwei alte FKK-Hefte aus den 1920er Jahren in den Händen hielt. Es waren "Licht-Land" und "Lachendes Leben". Sie waren so interessant, dass ich begann, mir weitere Hefte zu kaufen. Nachdem ich ein kleine Sammlung zusammen hatte, kam mir der Gedanke, andere an den interessanten Themen teilhaben lassen zu wollen - für die damals recht neue Technik begeistert, hatte ich einen Speicherplatz bei meinem Telefonanbieter von sagenhaften 5 MB frei.
Ich erlernte die notwendigen Programmiersprachen und begann damit, eine kleine Seite zu schaffen. Nach etwas über 5 Jahren reichten die 5 MB nicht mehr aus. Ich wechselte 2002 den Provider, sicherte mir die bekannte URL und hatte fortan ein kleines "Museum".
Anfangs dachte ich noch, "so viele Heftreihen kann es ja damals nicht gegeben haben, das wird sicherlich ein 'Klacks'" - doch es wurden immer mehr. Neben den deutschsprachigen Heften kamen dann schnell die englischsprachigen Hefte aus Großbritannien und den USA hinzu, dann Hefte aus Frankreich, Spanien, Italien und so weiter.
Inzwischen habe ich Naturisten-Magazine aus 24 Ländern, alte Hefte wie auch aktuelle Ausgaben.
Neben den Heften kamen auch die Bücher über den Naturismus hinzu, wie auch weitere Artikel, wie zum Beispiel Kataloge, Wimpel, Anhänger, Kalender, Schmuck.   
Hast Du zur Zeit der Initiierung des virtuellen FKK-Museums wirklich an den Erfolg des Projekts geglaubt?
Nein, nicht unbedingt. Ich konnte  recht  schnell feststellen, dass es viele Menschen gibt, die sich ebenfalls für die historischen Aspekte der Freikörperkultur interessieren und eben nicht nur Bilder sehen wollen. Der schönste Erfolg besteht für mich in den Freundschaften, die ich über und mit dem FKK-Museum weltweit schließen konnte und die immer noch bestehen.
Warum gibt es derzeit noch immer kein reales FKK-Museum? Wenn es dies gäbe, wo müsste es seine Heimat haben?
 Ein "reales" Museum kostet unheimlich viel Geld. Wenn es mir denn möglich wäre, dann müsste es natürlich in Hamburg sein, denn neben Berlin war Hamburg damals eine Hochburg der Nacktkultur, der Freikörperkultur. Da ein "reales", also ein "festes" Museum aus finanziellen Gründen nicht realisierbar ist, hatte ich vor wenigen Jahren die Idee einer Ausstellung, einer Wanderausstellung mit dem Thema "Die Heft-Publikationen der Freikörperkultur im Wandel der Zeit" - allerdings nur bezogen auf die in Deutschland erschienenen Heft-Reihen.
Die Umsetzung gestaltet sich zur Zeit leider etwas "holprig". Hindernisse sind nur einmal dazu da, um überwunden zu werden.
Wie und wo lagerst Du denn eigentlich die unzähligen musealen Dinge, die Du auf der Webseite dokumentierst?
Zu einem großen Teil wasser- und luftdicht verpackt im Keller - nachdem ich sie gelesen und digitalisiert habe.  Allein schon die Hefte der Serie "Sonnenfreunde" benötigte schon einen Umzugskarton, wie auch "Freikörperkultur", "Der Naturist" und "FKK" vom DFK, oder "H&E" aus Großbritannien. Einmal in meinen Händen, behalte ich die Hefte auch - nur von doppelten Exemplaren trenne ich mich mal. Weiterhin habe ich eine kleine Schaufensterpuppe, die inzwischen schon fast verdeckt ist, durch Schlüsselbänder, Einkaufstaschen ... alles mit Bezug zur FKK.
Hast Du eigentlich einmal daran gedacht, ein Buch über die Geschichte der Freikörperkultur zu schreiben? Schließlich bist Du im deutschsprachigen Raum der prädestinierte Chronist? 
Danke, aber nein. Über die Geschichte der Freikörperkultur gibt es bereits gute Bücher.
Ich besitze etwas über 150 Bücher zum Thema Naturismus (bis auf die Bücher aus Russland und Spanien habe ich alle gelesen). Natürlich fließt in ein solches  Buch immer die Persönlichkeit und die Ansichten der Autorin oder des Autoren. Trotzdem glaube ich nicht, hier noch etwas besser machen zu können.
Inwieweit haben sich die Naturistinnen und Naturisten aus Sicht des Chronisten in den vergangenen Jahren verändert?
In Bezug auf die Freikörperkultur, da ist von der anfänglichen Euphorie der 1920er Jahre nicht mehr viel vorhanden. So ziemlich "Alles" wurde auch irgendwie einmal nackt ausprobiert, sei es der Kindergarten, die Schule, Gymnastik oder Tanz ... viel ist davon jedoch nicht mehr übrig geblieben. Wir sind alle irgendwie "bequem" geworden oder haben schon Angst, zu scheitern oder ausgelacht zu werden.
Wir sind nicht mehr ehrlich! Wir passen uns zu sehr an, weil wir immer mehr darauf achten, was andere Menschen über uns denken. Sagt man, man ist "Naturist", so wird man von seinem Gegenüber leicht in die "schmutzige Ecke" gedrängt, obwohl derjenige, der so denkt, sicherlich auch gerne ein Naturist wäre, es aber nicht zugeben kann. Was würden die Familie, die Freunde, die Arbeitskollegen von einem denken?  Man ist also so, wie andere es sich vorstellen, sein zu müssen.
Deutschland gilt als "Wiege" der Nacktkultur, der Freikörperkultur. Inzwischen sind wir von zahlreichen Ländern "überholt". Die zahlreichen Nacktwanderungen reißen uns da nicht raus. So ist der WNBR (World Naked Bike Ride) überall auf der Welt ein großer Erfolg. Nur in Deutschland sieht man eine solche Veranstaltung nicht. "Tiger Streak", "World Naked Gardening Day" und noch viele weitere Nackt-Veranstaltungen gibt es weltweit - nur Deutschland bietet hier nichts.
Welche inhaltlichen Impulse brauchen die Naturistinnen und Naturisten im deutschsprachigen Raum aus Deiner Sicht?
Wieder etwas mehr Pioniergeist, heraustreten aus den zum Teil noch vorhandenen angestaubten Vereinsregeln. Als Verein sich für die Kinder und die Jugend mit breiten Angeboten attraktiver und interessanter gestalten. Im Verein es auch einmal wagen, neue und ausgefallene Wege zu betreten. Nur, wenn man etwas ausprobiert kann man auch erfahren, ob es funktioniert.
Dies fängt zum Beispiel bei der Musik an, nicht das herkömmliche, wenn auch tolle Gitarrenspiel am Lagerfeuer, sondern vielleicht einmal eine Amateur-Rockband einladen, vor den FKK-Mitgliedern ein Konzert zu geben, dazu andere Vereine auch einzuladen. Mehr an die Öffentlichkeit gehen und das Internet und seine Möglichkeiten noch weiter ausschöpfen. 
Was wünschst Du der FKK-Szene?
Ein großer Wunsch wäre, wenn organisierte und nicht-organisierte Naturisten mehr an einem Strang ziehen würden, statt gegeneinander zu "arbeiten". Zum Beispiel hat der WNBR in Großbritannien gezeigt, dass durch diese öffentliche Veranstaltung  die Vereine mehr Mitglieder bekommen haben. Junge Leute haben durch diese Protestaktion, die der WNBR ja eigentlich ist, ihre "Freude" an der Nacktheit erfahren und leben sie nun in Vereinen aus. So ist der WNBR durchaus ein großer Gewinn für die Naturistenvereine. Die Städte, die Kommunen, aber auch die Unternehmen, sollten uns Nackten gegenüber wesentlich aufgeschlossener sein.
Herzlichen Dank, lieber Michael Otto, für das Gespräch.
Vielen Dank, lieber Christoph Müller.
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