Schönheit und Nacktheit

 

Schönheit und Nacktheit

Ein Begriffspaar auf dem Weg durch die Zeiten Schönheit hat etwas
mit Nacktheit zu tun. Diesen Eindruck vermittelt das Buch
„Die Geschichte der Schönheit“, das der Fernsehjournalist Hans-Christian
Huf im Anschluss an eine Fernseharbeit herausgebracht hat.


Es ist eine kurzweilige Lektüre, denn es ist im Duktus einer Fernsehreportage geschrieben und wird immer wieder durch visuelle Abwechslungen begleitet.
Ob es nun die offenherzigen Dekolletees von Sophia Loren und Jayne Mansfield sind, ob es das „Selbstbildnis mit Muse“ des Malers Otto Dix ist oder ob es die
„Vertreibung aus dem Paradies“ von Michelangelo ist – die Nacktheit ist stets präsent. Dies soll aber nur ein Fokus sein, auf den der Leser schauen mag.
Die inhaltlichen Akzente von Hans-Christian Huf regen mindestens auch einer gedanklichen Freude an, wenn nicht sogar zu einer Gelassenheit. Huf schreibt:
„Es sind viele Spiegel, die den Weg zur Schönheit säumen. Und immer wenn wir einen von ihnen erreicht haben, ist sie bereits weitergezogen. Sie ist so
unerreichbar wie die Sonne, die alle Schönheit erst möglich und sichtbar macht.“(267) Diese innere Haltung durchzieht das Buch „Geschichte der Schönheit“.
Huf blickt unter anderem auf die zunehmende Zahl von Schönheitsoperationen und wagt zu behaupten: „Doch wer einmal angefangen hat, sich am eigenen
Aussehen festzubeißen, weil möglicherweise das Selbstbild gestört ist,… der neigt häufig dazu, süchtig nach immer weiteren Maßnahmen zu werden,
ohne je das gewünschte Endziel an Perfektion zu erreichen … Das Glückskonto …- es bleibt leer. Das Märchen wusste es längst: Der Spiegel gewinnt immer.“
(263) Was heißt dies für Naturistinnen und Naturisten ? Wir brauchen uns nur wenig Gedanken um das äußere Erscheinungsbild machen. Wir können die
Natürlichkeit und Freude an der Freikörperkultur leben und müssen uns keine Gedanken machen, ob die Zeichen der zeit, die an unser aller Körper zu finden
sind. Nein, sie betreffen alle, wie beruhigend. Bei dem Spaziergang durch die „Geschichte der Schönheit“ streift Huf die Kirchengeschichte genauso wie die
Historie der bildenden Kunst. Er blickt auf die „Nofretete“-Büste aus dem Ägyptischen Museum Berlin genauso wie auf Botticellis „Geburt der Venus“.
Huf thematisiert eine als Mosaik angelegte erotische Szene aus Pompeji, die betitelt ist: „Freizügigkeit ist angesagt.“ Das Buch zeigt, dass jede Zeit
seine eigenen Schönheitsbegriffe kannte und kennt. Der Leser erkennt viele Gemälde wieder, die Huf erläutert. Populäre Fotos nutzt er, um sich seinem
Ziel zu nähern. Dies macht das Buch „Die Geschichte der Schönheit“ anschaulich, rückt es nicht in eine unnötige Ferne, sondern ermöglicht eher,
dass es neben den Wohnzimmersessel oder auf den Wohnwagentisch gelegt werden kann, um es auch während einer kleinen Pause am Tag in die Hand
zu nehmen. Sympathisch kommt es daher, genauso wie zahlreiche Botschaften. Beispiel: „Der Durchschnittsmann paart sich generell mit der
Durchschnittsfrau, so zeigen die Untersuchungen, weil letzlich der Durchschnitt besser ins Bild passt als das Extrem, das aus dem Rahmen fällt.
Außergewöhnliches dient zwar der Unterhaltung, man will es aber nicht unbedingt zu Hause auf dem Sofa haben …, dass die Mehrheit der Menschen
ein unspektakuläres Gesicht als schön und begehrenswert empfindet – nicht zuletzt, weil es Solidität und Zuverlässigkeit verspricht.“ (113)
Beruhigend, dass es noch solche Haltungen gibt. So können wir im Sommer am FKK Strand auch nochmal über den Zusammenhang von Nacktheit und
Schönheit nachdenken. Viel Spass ! Christoph Müller Hans Christian Huf:
Die Geschichte der Schönheit, Collection Rolf Heyne, München 2013,
978-3-89910-587-2, 269 Seiten, 29.90 Euro.

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